Über Lyrikbrause

Ich mag Gedichte, seit ich als Kind in einem Sammelband die Verse von Heinz Erhardt entdeckt habe. Als Jugendliche hab ich versucht, es meinem Vorbild gleichzutun und in langweiligen Schulstunden oder zu Geburtstagen gern was gereimt. Dann kamen Studium, Zeitungs-Volontariat und meine Arbeit als Journalistin und ich vergaß ein bisschen mein Faible für die komische (Kinder-)Lyrik. Vor etwa einem Jahr, während meiner dritten Elternzeit, hab ich eher zufällig wieder damit angefangen. Ich hab gemerkt, dass mir das Verseschmieden einen schönen Ausgleich bringt zum alltäglichen Wahnsinn mit drei kleinen Kindern und dass man das auch vorzüglich beim Wickeln, Brei-Anrühren und Kinderwagenausfahren machen kann. In diesem Blog veröffentliche ich das Resultat aus einem Jahr Elternzeit – und noch mehr. Denn ich will weitermachen. Es bringt einfach zu viel Spaß.

 

 

Elternzeit

Ich tät so gern die Welt retten,

doch ich rett‘ sie nicht.

Stattdessen mach‘ ich Kinderbetten

und schreib‘ ein Gedicht.

 

Ich wär‘ so gerne Greanpeacler

und führ‘ zum Eis, das taut.

Doch ich hab‘ drei Hosenpiesler

und fahre aus der Haut.

 

Um halb fünf, der Morgen graut:

Der Kleinste schreit im Bett.

Ich schreck‘ auf, denn es ist laut,

der Süße lacht kokett.

 

Um halb sieben grölt der Große

’nen tollen Song auf Denglisch.

Die Mittlere macht in die Hose

und heult ihr Lied auf Quenglisch.

 

Zu retten gibt’s hier mancherlei,

doch leider nicht die Welt.

Viel eher Juniors Babybrei,

der grad vom Tischchen fällt.

 

Sind zwei der drei dann auf dem Weg

mach ich mal Ordnung hier.

Und während ich die Küche feg‘

denke ich bei mir:

 

Im nächsten Leben, lieber Eis-

bär, fahr‘ ich zu dir!

Bis dahin kauf‘ ich Schokoeis

und bleib‘ lieber hier.

 

(Sommer 2017)